Ganzheitlich betrachtet … was kam zuerst?

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Wir verlieren unsere Kinder ... so der Buchtitel von Silke Müller, in dem sie darauf aufmerksam macht, was manch vorherrschender Content im Internet auf allen möglichen Plattformen, Apps & Co. mit unseren Kindern anrichten kann. Im Übrigen ein empfehlenswertes, augenöffnendes Buch...

Wie kam es überhaupt dazu? Nicht zu diesem Buch, sondern zu dieser Situation, die dieser Aussage Wahrheit verleiht (auch wenn der Kontext im Buch ein anderer ist als der folgende). Was kam zuerst?

Haben wir-die Erwachsenen, wir-die Gesellschaft uns vielleicht schon viel eher "verloren"?

Es wird oft darauf vergessen, dass Kinder und Jugendliche alles von jemandem (am Beginn dieser Kette stehen wir Erwachsenen) lernen. Sie sind nicht jene, die das Internet und Co. erfunden haben. In der Regel kaufen sie sich nicht eigenständig das erste elektronische Gerät. Sie kommen nicht von sich aus auf die Idee, dass Bildschirme mal abgesehen vom vielfältigen Gebrauchsgegenstand eine willkommene Ablenkung sein können.

Ein Zitat von Karl Valentin besagt: “Es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.”

Und doch sind es immer wieder die Kinder und Jugendlichen, die für Auswirkungen der Vorbildwirkung gerügt werden, die Erwachsene oftmals erst durch das Spiegeln der Kinder erkennen.

Was bedeutet "sich verlieren".
Fehlende Beziehung zu sich selbst, getrennt sein von sich selbst, an Bewusstheit einbüßen, sich nicht gewahr sein, ...

"Sich zu verlieren" kann in vielerlei Hinsicht hilfreich sein, ist wichtig und hat durchaus positive Effekte. Allerdings - die Dosis machts. Wie alles im Leben sollte "verlieren" und "finden" in Balance sein.

Im Internet oder auch bei einem Spiel kann man sich so wunderbar verlieren. Entweder hüpft man von einer Seite zur anderen, ein Thema löst in kürzester Zeit das nächste ab, eine spannende Serie folgt der nächsten oder man taucht komplett in ein bevorzugtes Spiel ein.

Nehme ich mich dabei noch selbst wahr? Spüre ich mich selbst? Ist mir bewusst was ich denke und fühle? Eher weniger. Denn ich konzentriere mich auf diese eine Sache. Einfach mal die Alltagsthemen außen vor lassen, nicht darüber nachdenken, welche Aufgaben als nächstes auf dem Plan stehen, den oft überfordernden Alltag mal nicht erfühlen, einfach sich ablenken von dem, was ist.

In einer Welt, in der Überforderung zur Normalität geworden ist, ist es wenig verwunderlich, dass der Drang nach "sich verlieren" groß geworden ist. Ist das sich verlieren in den digitalen Medien vielleicht auch eine Art von Flucht aus dem Alltag?

Was wäre, wenn uns die Kinder und Jugendlichen nur den IST-Stand deutlicher aufzeigen, den wir Erwachsene schon längst, eher unbewusst herbei geführt haben?

Diese Erwägung würde mit sich bringen, dass wir den Fokus von unseren Kindern zurück auf uns lenken. Anstatt unsere Kinder dafür zu brüskieren, wie sie ihre Zeit verbringen, könnte ein Ansatz sein zu hinterfragen, was wir mit unserer kostbaren Zeit anstellen. Auch wenn wir vielleicht - aber oft auch nicht - weniger Bildschirmzeit vorweisen, sind unsere täglichen Abläufe deswegen soviel "sinnvoller"? Verlieren wir uns weniger in unserem Alltag?

Dieses ist nur ein einziger Aspekt des überaus komplexen Themas "digitale Medien", auf den wir nicht vergessen sollten um eine ganzheitliche Sicht zu erlangen. Was kam zuerst - die Henne oder das Ei?

... und was bleibt, ist die Frage des "guten" Umgangs mit den digitalen Medien ...

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Wollen wir wirklich starke Kinder?