Der Fortschritt und seine Tücken oder Kampf der Generationen

Ich bin ein sogenannter Digital Immigrant. Ich weiß noch, wie gut es sich auch ohne Handy, Internet & Co. leben lässt. Selbstverständlich weiß ich mittlerweile auch all die Vorzüge des digitalen Zeitalters zu schätzen – auch wenn ich oft nicht mit Gewissheit sagen kann, ob es nun Fluch oder Segen ist.

Die Kinder/Jugendlichen dieser Zeit sind Digitale Natives – und für sie ist es unvorstellbar, wie es sich ohne all diese scheinbaren Vorzüge leben lässt. Seit Tag eins sind sie es gewohnt, sich mit und in der digitalen Welt zu bewegen.

Nun stellt sich mir die Frage – wie können Digital Immigrants und Digital Natives auf einen gemeinsamen Nenner kommen? Der Fortschritt auf dieser Ebene ist in vollem Gange und die Kluft zwischen Immigrants und Natives wird dabei immer größer.

Bei uns ist dieses Thema allgegenwärtig. Gefühlt führen wir jeden Tag auf’s Neue dieselben Diskussionen. Mit meinem Ansatz eines Miteinanders auf Augenhöhe suche ich grundsätzlich nach Lösungen, die Erwachsene und Kinder gemeinsam erarbeiten – bei diesem Thema war es uns allerdings noch nicht möglich zu einem Konsens zu gelangen. Ich halte nicht viel von einseitig ausgesprochenen Verboten – meine Hilflosigkeit in Bezug auf das Thema digitale Nutzung lässt mich hier immer wieder gegen meine Einstellung handeln.

Wo liegt hierfür der Schlüssel? Ich wünsche mir, dass meine Kinder digitale Kompetenzen entwickeln. Was genau bedeutet das? Ich wünsche mir, dass sie selbst ein Gefühl dafür entwickeln, was ist gut für sie und was nicht, was ist nützlich und was nicht. Ich wünsche mir, dass sie offen für analoge Erlebnisse bleiben. Ich wünsche mir, dass sie kritisch hinterfragen und nicht alles für bare Münze nehmen, was sie in der digitalen (als  auch in der analogen) Welt erfahren und erleben. Ich wünsche mir, dass sie sich der Risiken und Gefahren im Netz bewusst werden und die Möglichkeiten des eigenen Schutzes für wichtig erkennen.

Wie und woher sollen sie diese Fähigkeit erlernen, wenn wir – die Eltern und digitalen Immigranten uns selbst erst in dieser noch jungen Welt zurechtfinden müssen. Dieses „zurechtfinden“ bedeutet für viele von uns erst mal Arbeit, denn dieses Wissen kann nicht mal so eben erworben werden. Es bedarf intensiver Recherche über die zahlreichen Apps, Social Media Plattformen, Spiele, Browser und all die Möglichkeiten, Gewohnheiten, Risiken und Nebeneffekte, die damit einhergehen. Kaum etwas erlernt, kommt auch schon der nächste Hype, den es als nächstes zu durchleuchten gilt. Im Grunde genommen ein zusätzlicher Teilzeitjob.

Die fachlichen Kenntnisse können jedoch tatsächlich erlernt werden. Was bleibt, ist die große Verständnisschere zwischen Kindern / Jugendlichen und Erwachsenen. Eben diese Frage der Sinnhaftigkeit der einzelnen Medien und der dementsprechenden Wertigkeit, die eine große Kluft zwischen den Generationen bildet.

Ständige Verbote können genauso wenig die Lösung für diesen Generationenkonflikt sein, wie den Kindern und Jugendlichen das Erfahren und Erleben der digitalen Welt selbst zu überlassen. Wo also liegt hier der Weg zu einem Konsens zwischen den Generationen?

 

Fortsetzung folgt …

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Kinder und digitale Medien - eine Umfrage